Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie umfasst die Arbeit an allen Körperstrukturen: Knöchernes Skelett, Muskeln, Innere Organe, Cranium (Kopf), Nervensystem etc.

Diese ganzheitliche Methode stellt die normalen Lebensvorgänge und Funktionen im menschlichen Organismus wieder her, indem sie die Strukturen, Weichgewebe und Flüssigkeiten harmonisiert und ihnen ihre Funktion wiedergibt.

Voraussetzung dafür ist ein exaktes Grundlagenwissen in Anatomie, Physiologie und Pathologie, ebenso wie eine umfassende, jahrelange Schulung des Tastgefühls der Hände.

Um eine möglichst umfassende Betreuung der Patienten zu gewährleisten, arbeiten Osteopathen eng mit anderen medizinischen Fachrichtungen zusammen.

Der Strukturelle Bereich

Strukturelle Techniken arbeiten an Bewegungsapparat, Knochen, Muskeln, Sehnen, Ligamenten und Faszien.

Der Cranio-Sacrale Bereich

Im System von Schädelknochen, Dura mater (harte Hirnhaut) und Sacrum (Kreuzbein) kann es zu Funktionsstörungen auf Ebene von Knochen, Membranen, Gefäß – und Nerven – Strukturen kommen.
Diese Spannungsmuster werden durch subtiles Fühlen wahrgenommen und sanft korrigiert.
Die Folgen solcher Funktionsstörungen können das gesamte neurovegetative, vaskuläre (Gefäße) und endokrine (hormonelle) System betreffen.
Auch hier bildet die Grundlage der Arbeit eine präzise Kenntnis der Schädelanatomie, ohne die ein gezieltes Arbeiten am Cranialsystem nicht möglich ist.

Der Viscerale Bereich

Mobilität als wichtigstes Kriterium für optimale Funktion ist auch die Basis der Visceralosteopathie, wo Beweglichkeit und Eigenrhythmus der inneren Organe und der angrenzenden Gewebe beurteilt und therapiert werden.
Einschränkungen der visceralen Beweglichkeit können zu Funktionsstörungen der inneren Organe, aber auch zu Fernwirkungen wie z.B. Rückenschmerzen führen.
Diese Vielfalt der Therapieansätze formiert sich in der Hand des erfahrenen Osteopathen zu einem Ganzen, das es ermöglicht, auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten in einem ganzheitlichen Behandlungskonzept einzugehen.
www.wso.at

Hier sind zwei Fallbeispiele

Fallbeispiel zur viszeralen (Organe betreffend) Osteopathie:

39 jährige Frau, Probleme der Halswirbelsäule, Nackenschmerzen

Anamnese/ Krankheitsgeschichte:

Eine 39 jährige Frau leidet immer wieder unter schmerzhafter Bewegungseinschränkung im Bereich der Halswirbelsäule. Im bildgebenden Verfahren sind keine Anomalien oder Bandscheibenvorfälle sichtbar. Sie fühlt sich sehr verspannt und wurde deshalb vom Orthopäden zur Physiotherapie überwiesen, was  jedoch nur vorübergehend eine Linderung brachte.
Wegen einer Gastritis wurde Sie medikamentös behandelt. Stress wirkt sich bei ihr oft auf Magen und Darm aus. Sie betreibt Sport, ernährt sich wechselhaft (auch unregelmäßig), neigt zu Allergien.
Der osteopathische Befund:

Verspannte Nackenmuskeln, Schultergürtelasymmetrie, Brustwirbelsäulenabschnitte auffallend, die mit dem Magen zusammenhängen,  obere Kopfgelenke und mittlere Halswirbelsäule ebenfalls betroffen. Reflexpunkt für Magen empfindlich.
Ihr Craniosacrales System zeigt einen abgeschwächten Rhythmus, organisch scheint der Magen zu sehr fixiert zu sein.

Osteopathische Betrachtung:

Seit Jahren irritiert chronischer Stress den Magen. Dies führt über neurologische Verbindungen des Magens mit einem wichtigem Nerv, dem Vagusnerv zu einer Überempfindlichkeit in dessen Ursprungsbereichen, der oberen Halswirbelsäule.
Weiteres kommt es über (mechanische Verbindungen des Magens mit einem anderen Nerv) zu einer Irritation der mittleren Halswirbelsäule.
Aufgrund der neurologischen Reflexbögen des Magens und seinem dazugehörigen  Eingeweidenervensystem, welches sich im mittleren Bereich der Brustwirbelsäule befindet, ist eine Einschränkung im Bereich der mittleren Brustwirbelsäule die Folge.

Therapie:

Neben einer Behandlung der viszeralen (Organ- Magen) Ursache und wieder ausgleichenden, beruhigenden  Behandlung der entsprechenden überlasteten Wirbelsäulenabschnitte wäre in diesem Fall auch eine Beratung zum Stress – Handling und Ernährung angebracht.

Fallbeispiel aus dem Bereich der strukturellen Osteopathie:

35jähriger Mann, Lumbalgie rechts (Kreuzschmerz)

Seit sechs Wochen Schmerzen im unteren Rücken, diese verschlechtern sich beim Liegen, Gehen oder Stehen. Verbesserung im Sitzen.

Anamnese:
Vor 11 Wochen mit dem rechten Fuß umgeknickt. Radiologisch nichts Auffallendes.

Osteopathischer Befund:

Kräftiger Patient, Beckenasymmetrie und Druckschmerz über dem rechten Kreuzbein-Darmbeingelenk, erhöhte Spannung der rechten hinteren Oberschenkelmuskulatur, rechte Beckenschaufel nach hinten gedreht, rechtes Wadenbein steht zu weit unten und die Bewegung im rechten Sprunggelenk ist eingeschränkt.

Osteopathische Betrachtung:

Durch die Verletzung im Sprunggelenk wurde das Wadenbein nach unten gezogen und dort fixiert. Dies führt zu einer Verspannung des hinteren Oberschenkelmuskels, da dieser am Wadenbeinköpfchen im Bereich des äußeren Kniegelenks ansetzt. Dieser Muskel ist an seinem anderen Ende am Sitzbeinknochen (Becken) befestigt. Deshalb wird die Beckenschaufel auf der rechten Seite zurückgezogen und ist dadurch in der Bewegung eingeschränkt. In weiterer Folge führt dies zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im unteren Rücken.

Behandlung:

Hier muss neben einer schmerzstillenden Therapie im Beckenbereich die „funktionelle betroffene Kette“ angefangen beim Sprunggelenk therapiert werden. Voraussetzung für eine Verbesserung ist eine Wiederherstellung der Funktion im Sprunggelenk.

Kommentare sind geschlossen.